Fünf Tipps, um beim Streiten in Verbindung zu bleiben

Grafik verbindend streiten mit  Psychologin Nele Sehrt
Dipl. Psychologin Nele Sehrt
©Ayhan Bildik 

Dipl. Psychologin Nele Sehrt

Nele Sehrt ist Diplom-Psychologin, Paar-, Sexual- und Traumatherapeutin und betreibt in Hamburg ihre eigene Praxis. Auf ihrem Instagram Account teilt sie spannende Inhalte über den Umgang mit sich selbst und anderen. 

Wir haben Nele Sehrt in einem Video-Interview gefragt, wie wir beim Streiten in Verbindung bleiben können. Sie hat uns ihre 5 wertvollsten Tipps erklärt und beschrieben, inwiefern uns spezielle Fragen dabei helfen können, Konflikte im Miteinander statt im Gegeneinander zu lösen. Streit muss nämlich keinesfalls für Distanz sorgen, sondern kann eine Möglichkeit sein, (neue) Nähe zu schaffen und ähnliche Konflikte in der Zukunft zu verhindern. 

Im nächsten Streit können wir uns fragen:

1. Was genau hat mich verletzt?

Nele Sehrt: Erstmal kann man sich überhaupt vorab überlegen: 

Mensch, was genau hat mich eigentlich verletzt oder stört mich?

Warum hat das überhaupt die Macht mich so ins Herz zu treffen?

Hat das was mit meiner Lebensgeschichte zu tun, mit der Beziehung, mit der Ursprungsfamilie, oder mit vorhergehenden Beziehungen?

2. Kann ich das Verhalten konkret benennen?

Nele Sehrt: Dann hab ich die Möglichkeit, das Verhalten ganz konkret zu benennen, zu sagen, was für Gefühle dadurch bei mir ausgelöst worden sind und dann kann man sich auf die Lösungssuche machen, dass man einen gemeinsamen Weg findet anders damit umzugehen. Einen Weg, mit dem auch beide einverstanden sind, denn sonst blockiert häufig die andere Person.

Für diesen Weg braucht man ein bisschen Geduld! 

„Und dann kann's auch hilfreich sein zwischen der Person und dem Verhalten von der Person zu unterscheiden, weil wir in sehr vielen Punkten wirklich auch glücklich und zufrieden sind, aber mit wenigen auch unzufrieden.“

3. Unterscheide ich zwischen der Person selbst und ihrem Verhalten?

Nele Sehrt: Dann kann es auch hilfreich sein, zwischen der Person selbst und dem Verhalten von der Person zu unterscheiden.

Da spielt häufig auch mit rein, dass wir in sehr vielen Punkten wirklich auch glücklich und zufrieden sind und mit einigen wenigen auch unzufrieden. Aber wenn ich in den Konflikten nur das Negative betone und immer nur „Du" sage, dann fühlt sich die andere Person oft angegriffen und geht in eine Schutzhaltung.

Also: sprich von einzelnen Verhaltensweisen und nimm gedanklich die guten Seiten der Beziehung mit ins Gespräch.

4. Stimmt mein Timing?

Nele Sehrt: Und dann kannst du auch noch schauen – das macht meistens auch einen großen Unterschied – dass du nicht direkt mit dem Gespräch beginnst, wenn eine freie Minute da ist, sondern dass du dich vorher erkundigst, ob die andere Person überhaupt gerade den Kopf frei hat für so einen Austausch. Ein so respektvoller Einstieg ist echt Gold wert! 

5. Habe ich die Fähigkeit, mich zu regulieren?

Nele Sehrt: Was du während des Gesprächs machen kannst - und das ist auch ganz wichtig, dass du den Gefühlen nicht komplett den freien Lauf lässt. Wenn wir zu emotional sind, dann ist es ein bisschen schwierig gute Lösungen zu finden.


Deshalb brauchen wir die Fähigkeit, uns zu regulieren. Das bedeutet auf der einen Seite nicht zu laut und zu verletzend zu werden,

aber auf der anderen Seite sich auch nicht zu weit zurückzuziehen und im Gespräch zu bleiben. 

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